Eisenhütte Harz – Mägdesprung II

Eisenhütte Harz – Mägdesprung II

Eisenhütte Harz. So etwa ab 1910 verzeichnete der Eisenkunstguss seinen Niedergang.

Eisenhütte Harz in Mägdesprung

Eisenhütte Harz in Mägdesprung

Einführende Informationen zur Eisenhütte Harz. Als Folge davon wurde die Hütte 1917 an die „Harzgeröder Maschinenfabrik GmbH“, in der Dr. Max Horn die Aktienmehrheit besaß, verkauft. Im gleichen Jahr bildete Dr. Max Horn mit dem Kommerzienrat Wilhelm Meyer eine Aktiengesellschaft.

Es entstand die „MÄGDESPRUNGER EISENHÜTTENWERK GmbH MÄGDESPRUNG“. Nach dem Tod von W. Meyer übernahm Dr. Max Horn alle Anteile. Wirtschaftliche Probleme und Auseinandersetzungen mit dem NS-Staat, die sogar zu seiner kurzzeitigen Inhaftierung führten,trieben Dr. Max Horn am 5. Mai 1937 in den Freitod.Sein Sohn, Carl Horn war der Alleinerbe. Neben den üblichen Hüttenerzeugnissen wurden in den 1940er Jahren im großen Raum der Alten Fabrik Zulieferteile für die Gasgeräteproduktion der Junkerswerke Dessau gefertigt. Im April 1945, beim Einmarsch der Amerikaner, brannte das Modellhaus an der Selke mit seinem kulturhistorisch so wertvollen Bestand an Maschinen- und Kunstgussmodellen ab. Nach der Besetzung durch sowjetische Truppen stand das Eisenhüttenwerk durch die sowjetische Militäradministration unter Sequester, kam aber schon 1946 wieder in den Besitz von Carl Horn, als festgestellt wurde, dass die Zulieferprodukte für Junkers nicht „kriegswichtig“ waren. Die Produktion wurde von behördlicher Seite auf Gasgeräte und Herde beschränkt. 1959 wurde, gezwungenermaßen, die „Eisenhütte Mägdesprung Carl Horn KG“ unter staatlicher Beteiligung gegründet. 1972 musste Carl Horn schließlich das Werk verkaufen, es entstand der „VEB Gas- und Heizgerätewerk Mägdesprung“. Versuche die Tradition des Eisenkunstgusses wieder aufzunehmen, scheiterten aus Geldmangel. Die historischen Gebäude verfielen, wurden teilweise umgebaut und sogar abgerissen, wie 1982 das Carlswerk. Die wertvolle Kunstgusssammlung von Carl Horn, die schon sein Vater angelegt hatte, von Carl Horn aber leidenschaftlich vervollständigt wurde, blieb im Besitz der Familie Horn. Sie musste nach dem Tod von Carl Horn 1972 durch seine Witwe Hilde Korn an das Museum Schloss Allstedt verkauft werden, weil von der damaligen Leitung des Volkseigenen Betriebes die von der Familie Horn bisher genutzten Räume im Verwaltungsgebäude, in denen die Exponate präsentiert wurden, für die betrieblichen Erfordernisse zur Verfügung gestellt werden mussten. Im Schloss Allstedt wird sie als „Sammlung Horn“ verwaltet und teilweise gezeigt. Etwa 40 Stücke sind als Leihgabe im Wehrgang des Schlosses Harzgerode ausgestellt.

Nach der Deutschen Einheit, wurde das Werk an die Familie Horn rückübertragen. Es bildete sich die kleine Firma „Mägdesprunger Eisenhüttenwerk GmbH Gas- und Kochgeräte“, deren Produktion aber immer weiter zurückging. Eigentümer und Gesellschafter waren die beiden Töchter von Carl Horn, sowie Hans-Helmut Fechner, als geschäftsführender Gesellschafter. Die Last des Erhalts der historischen Gebäude der alten Eisenhütte und die gesellschaftliche Verantwortung für die Werterhaltung dieses bedeutenden Industriedenkmals ruhte nun auf den Schultern der Eigentümer, der sie aber wegen der hohen Kosten nur ungenügend nachkommen konnten. Das verbesserte sich auch nicht nach dem späteren Verkauf des Verwaltungsgebäudes, des Stahlhammers und der beiden Wohnhäuser am III. Hammer, als sich die finanzielle Situation verbessert haben dürfte.
In der Neuen Maschinenfabrik konnte sich bis 1991 eine eingeschränkte Produktion auf dem Gebiet des Sondermaschinen- und Werkzeugbaus und auf dem Reparatursektor halten.
Danach wurde sie „abgewickelt“. Die Stadt Harzgerode pachtete von den Eigentümern das Gelände des ehemaligen Carlswerkes und das Gebäude der ehemaligen Maschinenfabrik mit den sich darin befindlichen Maschinen und Ausrüstungen zur dauerhaften Nutzung für das öffentliche Gemeinwohl. Es begannen denkmalpflegerische Maßnahmen zum Erhalt der historischen Maschinen und Werkstätten. Seit 9.9.2002 befindet sich im Gebäude der Neuen Maschinenfabrik das Museum „Carlswerk“, das vom Kultur- und Heimatverein Harzgerode und der Stadtinformation Harzgerode betreut wird. 2010, kurz vor der letzten Versteigerung, nahm die Stadt Harzgerode ihr Vorkaufsrecht wahr und kaufte das Museum mit den darin enthaltenen Maschinen und das Umfeld mit der Alten Schmiede.

In der alten Eisenhütte setzt sich der Verfall progressiv fort:
Im ehemaligen Verwaltungsgebäude, das 2007 versteigert wurde, haben Vandalen und Schrottdiebe alle Gussteile des schönen und kulturhistorisch wertvollen Treppengeländers, die 1997 restaurierte Turmuhr und auch die in Mägdesprung gegossene Turmuhrglocke geraubt.
Die Zwischendecken sind teilweise schon eingestürzt, alle Schränke aufgerissen und die noch vorhanden Akten zerstört. Das kulturhistorisch wertvolle Gebäude von 1781 wird nun mit hoher Wahrscheinlichkeit „denkmalgeschützt“ verfallen. In einer zweiten Versteigerungsauktion im Dezember 2010 wurde der Rest der alten Eisenhütte veräußert. Der neue Besitzer hat schon geäußert, dass er eigentlich kein Interesse hat und die Gebäude wohl wieder veräußern wird.
Die Stadt konnte und wollte nicht von ihrem Vorkaufsrecht für die Alte Fabrik Gebrauch machen, sondern kaufte, auf Intervention des Eisenhüttenvereins hin, nur das Gelände mit den berühmten Hirschgruppen. Für das Gebäude der „Alten Fabrik“ hatte die Stadt Harzgerode mit den vorherigen Besitzern einen Pachtvertrag abgeschlossen, der auf den neuen Besitzer übergegangen ist.
Der Eisenhüttenverein hat mit der Stadt einen Nutzungsvertrag. Die Pläne, dort ein „Begehbares Technisches Denkmal“ werden auch jetzt nicht realisierbar sein, da sich an den grundsätzlichen Besitzverhältnissen an der Eisenhütte Harz nichts geändert hat, so dass Fördermittel nicht zu erwarten sind. Das Direktorenwohnhaus und das Alte Labor, bzw. das Magazin, sind, zusammen mit der Alten Fabrik, die Gebäude, die den zentralen Hüttenplatz dominieren. Auch sie wurden versteigert, ebenso wie die kleineren, noch bewohnten Wohnhäuser, in denen früher der Bäcker und der Krämer wohnten. Ihre Zukunft ist völlig ungewiss. Die alte Gießhalle ist inzwischen vollständig, die Formerei und die meisten Werkstätten auf dem Betriebsgelände sind schon fast zusammengefallen. Kulturhistorische Gießereiwerkzeuge und -vorrichtungen konnten nur zu einem geringen Teil geborgen werden. Das meiste davon ist zerstört, wurde verkauft oder verschrottet.
Zwei Kupolöfen, die 1960 gebaut wurden, sind zwar noch vorhanden, aber ihr kulturhistorischer Wert ist nicht so bedeutend.

Ehemaliges Verwaltungsgebäude, Zustand 2007 Die Alte Fabrik, erbaut 1825 bis 1827, Zustand 2007 Das Direktorenwohnhaus, erbaut 1828, Zustand 2007
Das Debakel um die Eisenhütte Harz in Mägdesprung, in deren Bereich sich 40 Einzeldenkmale befinden, die in der Denkmalliste des Altkreises Quedlinburg aufgeführt waren, führt zu der Frage:

Wie ist es möglich, dass in der Zeit nach der Wende, der Staat, das Land Sachsen-Anhalt,
der Landkreis und die Stadt Harzgerode es zulassen konnten, dass dieses Industriedenkmal Eisenhütte Harz nationaler Bedeutung von den Eigentümern nicht bewahrt und schließlich an Spekulanten verkauft wurde, ohne dass Gesetze diese offensichtlich spekulativen Machenschaften verhindern, und ohne dass Auflagen des Denkmalschutzes den Verfall aufhalten konnten?

Zwei Vereine, der Förderverein „Eisenhütte Mägdesprung 1646″, der in den 1990er Jahren tätig war und unser Eisenhüttenverein konnten diese kulturhistorische Schandtat trotz hohen persönlichen Engagements nicht verhindern. Der Heimat- und Kulturverein Harzgerode und der Eisenhüttenverein Mägdesprung haben vor der letzten Versteigerung eine gemeinsame Petition an die damalige Kultusministerin, Frau Prof. Wolf, des Landes Sachsen-Anhalt eingereicht, in der, untersetzt durch umfangreiches Informationsmaterial, die Hütte als ein Industriedenkmal nationaler Bedeutung hervorgehoben und beschrieben wurde. Wir baten um Hilfe und Unterstützung. Die einzige Reaktion des Kultusministeriums war die dürre Eingangsbestätigung einer Sekretärin!
Noch könnten die drei wertvollen Gebäude erhalten, bzw. wieder instand gesetzt werden,
wenn sich die neuen Besitzer ihrer Verantwortung für das übernommene Kulturgut bewusst würden und sie bei der Instandsetzung und Werterhaltung die erforderliche Unterstützung erhielten. Gelingt das nicht, bliebe von der Eisenhütte in Kürze nur das Museum „Carlswerk“,
die Hirschgruppen und der Obelisk, die sich im Besitz der Stadt Harzgerode befinden.
Außerdem existieren noch die Dependancen der Eisenhütte, die auf einer Länge von etwa 5 km an der Selke liegen und auf die hier noch kurz eingegangen werden soll:
Das 1769 gegründete „Neue Werk“ wurde 1787 eine Drahtzieherei, die bis 1842 arbeitete und dann eingestellt und abgerissen wurde. Auf dem Gelände entstand später das „Forsthaus Drahtzug“,
das bis 1993 genutzt wurde. Danach wurde es an einen privaten Besitzer verkauft, der es inzwischen liebevoll restauriert hat und das Umfeld mit historischem Sachverstand pflegt.
Weitere Informationen unter www.forsthaus-drahtzug.de.
Vom „Stahlhammer“, der 1882 gegründet wurde, sind heute nur noch einige Mauerreste zu sehen. Er wurde bis 1887 als Blankschmiede für Äxte, Sensen, Pflugschare usw., dann bis 1896 als Kettenschmiede und Feilenhauerei genutzt und danach abgebrochen. Das erhalten gebliebene große Wohnhaus wurde 2007 an ein junges schottisch/australisches Ehepaar verkauft, das dort Ferienwohnungen einrichten möchte. Die beiden gegenüber liegenden kleineren Häuser befinden sich in Privatbesitz.

Unterhalb der alten Eisenhütte Harz und des Carlswerkes liegen die 4 Friedrichshämmer, die zum Ende des 18. Jahrhunderts entstanden waren. Der I. Friedrichshammer liegt unmittelbar unterhalb des Carlswerkes. Heute sind noch 3 private Wohnhäuser und Reste der Produktionsgebäude und der alten Wasserführungen zu sehen. Etwa 100 m selkeabwärts ist noch der Austritt der alten Wasserführung in die Selke erhalten. Vom II. Friedrichshammer sind heute noch zwei kleine Wohngebäude in Privatbesitz erhalten. Auch hier deuten nur noch die Reste der alten Wasserführungen auf die damalige Nutzung hin. 1842 wurde dort noch eine Achsenschmiede eingerichtet, die dann 1852 ihren Betrieb einstellte. Auch vom III. Friedrichshammer sind nur noch drei kleine Wohnhäuser in Privatbesitz übrig geblieben. Unterhalb davon sind noch die Reste eines Wehrs in der Selke zu sehen, das die Wasserversorgung für das Wasserrad sicherstellte. Bevor damals der III. Hammers errichtet wurde, stand an dieser Stelle bereits eine Mühle. Oberhalb des III. Hammers sehen wir die beiden markanten Wohnhäuser für die Hüttenarbeiter, die, zusammen mit den, etwa 1827 entstandenen neuen Gebäuden der Hütte, einen typischen Hüttenbaustil der damaligen Zeit prägen, der durch die Eisenhütte Mägdesprung maßgeblich beeinflusst wurde. Die beiden Wohnhäuser wurden bereits 2007 versteigert. Die heutige Besitzerin wohnt nun selbst dort und bemüht sich um den Erhalt dieser kulturhistorisch wertvollen Häuser.
In der Nähe dieser Wohnhäuser befindet sich der kleine Friedhof von Mägdesprung mit einigen wenigen noch vorhandenen gusseisernen Grabkreuzen und Grabtafeln der Hüttenarbeiter. An der Friedhofmauer steht ein gusseisernes Epitaph, das an das Hochofenunglück von 1842 erinnert, bei dem 5 Hochofenarbeiter ums Leben kamen. Die Friedhofkapelle konnte, dank der Hilfe eines Spenders aus dem Schwarzwald, der in Mägdesprung aufgewachsen war, 2007 renoviert und als Pilgerkapelle geweiht werden. 2010 spendete derselbe Spender dem Friedhof noch eine Glocke, die nun jeden Abend um 18:00 Uhr geläutet wird. Etwa 3 km selkeabwärts liegt schließlich der IV. Friedrichshammer, 1784 gegründet und zuletzt eine Schwarzblechschmiede, mit drei Häusern in Privatbesitz.

Quelle: Eisenhüttenverein Mägdesprung e.V.

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