Eisenhütte Mägdesprung im Harz

Eisenhütte Mägdesprung

Eisenhütte Mägdesprung. Nachdem 1635 das Fürstentum Anhalt-Bernburg-Harzgerode durch Erbteilung entstanden war, wollte der damalige Fürst Friedrich (1613 – 1670) seinem Land eine merkantilistische Wirtschaft geben, um auch die Folgen des Dreißigjährigen Krieges zu überwinden.

Eisenhütte Mägdesprung im Harz

Eisenhütte Mägdesprung im Harz

Der Bau einer Eisenhütte in Mägdesprung schien geboten, zumal die Voraussetzungen dafür, wie das Vorhandensein von Eisenerz in der Nähe, die Wasserkraft der Selke, das Brennholz bzw. die Holzkohle aus den Wäldern, das kaufmännische Wissen und die finanzielle Stärke des Quedlinburger Kaufmanns Johann Heydtfeld, der an einem solchen Unternehmen interessiert war, gegeben waren.

So kam es am 9.11.1646 zu einem Vertrag zwischen Fürst und Kaufmann, der zur Gründung der „Eisenhütte unterm Mägdesprung“ führte1. Der wirtschaftliche Erfolg stellte sich aber nicht ein, sodass Heydtfeld schon 1652 die Hütte einer Gewerkschaft überließ, die sich um die Hebung des anhaltinischen Bergbaus bemühte. Da auch deren Bemühungen erfolglos blieben, erwarb schließlich 1657 Fürst Friedrich die Hütte zum Selbstkostenpreis und vergab sie als Erbzinslehen an Friedrich Christian Arens, der Eisenfactor in Sorge war. Dieser errichtete etwa 1662 den ersten Hochofen. Nach dem Tode von Arens ging die Hütte 1690 unter seinem Sohn in Konkurs. 1696 ersteigerte der Kaiserliche Rat Johann Kaspar Kaufmann aus Kelbra die Hütte als Erbzinslehen für 3500 Taler.

Auch dieser ging in Konkurs und die Eisenhütte Mägdesprung kam 1710 für 4700 Taler an Fürst Viktor Amadeus von Anhalt-Bernburg, nachdem 1709 das kleine Fürstentum Harzgerode nach dem Tod von Fürst Wilhelm (1643-1709), dem Sohn und Nachfolger von Fürst Friedrich, wieder an Anhalt-Bernburg gefallen war, weil die Ehe Fürst Wilhelms kinderlos war. Mit dieser Erwerbung waren nun Eisenbergbau und Eisenverhüttung in einer Hand, so wie das bereits vorher bei der Silbergewinnung der Fall war. Trotzdem wurde unter Fürst Viktor die Eisengewinnung nicht wieder aufgenommen. Vielmehr wurden die Anlagen in Mägdesprung nun auch für die Silbergewinnung genutzt. Die Wasserkraftanlagen betrieben außerdem eine Papiermühle, später noch eine Mahl- und eine Ölmühle. 1729 wurde dann die gesamte anhaltinische Silberverhüttung im damals gegründeten Ort Silberhütte konzentriert. Erst für 1757 ist in Mägdesprung wieder eine Verhüttung von Eisen belegt. 1765 übernahm Fürst Friedrich Albrecht von Anhalt-Bernburg die Regierung und verlegte den Regierungssitz nach Ballenstedt. Die direkte Einflussnahme durch den Fürsten machte sich in einem Aufschwung in Mägdesprung bemerkbar. 1769 entstand das „Neue Werk“ im heutigen Ortsteil Drahtzug. Damit wurden nun nicht nur Halbfabrikate, sondern auch Endprodukte, wie Beile, Pflugscharen, Hämmer, Gewehrläufe usw., erzeugt. Etwa 1780 setzte durch bessere Erze aus der Grube Tilkerode eine Blütezeit der Verhüttung ein, die einen Ausbau der Hütte erforderlich machte: 1780 entstanden der I. und der II. Friedrichshammer mit je einem Frischfeuer, 1782 folgte der III. Friedrichshammer mit Blauofen, Frischfeuer und Schwarzblechhammer, sowie ein Stahlhammer zwischen dem Neuen Werk (Drahtzug) und Mägdesprung. 1786 wurde dann der IV. Friedrichshammer mit einem Frischfeuer gegründet. Der Absatz der zahlreichen Produkte erfolgte über ein ausgedehntes Niederlagensystem. In dieser Blütezeit wurde 1782 das Verwaltungsgebäude auf den Grundmauern eines früheren Gebäudes gebaut. 1796 übernahm Fürst Alexius Friedrich Christian (1765 – 1834) die Regierung. Er setzte nun Hüttenbeamte ein, als ersten den Oberbergrat Johann Friedrich Schlüter, der das Amt von 1797 bis 1819 ausübte.

Obelisk 1809 wurde ein Hochofen errichtet, der u.a. die Voraussetzung für die Errichtung des berühmten Mägdesprunger Obelisk war. 1806 erhielt Alexius Friedrich Christian von Anhalt-Bernburg die Herzogwürde. Die Hütte nannte sich nun „Herzogliche Eisenhütte Mägdesprung“. In dankbarer Erinnerung an seinen Vater, Fürst Friedrich Albrecht von Bernburg-Anhalt, ließ Herzog Alexius 1812 den Obelisk errichten, der fortan das Gesicht von Mägdesprung prägte, auf unzähligen Stichen dargestellt wurde und damit Mägdesprung in Europa bekannt machte.
1820 folgte als Nachfolger Schlüters der Bergmann und Mineraloge Johann Ludwig Carl Zincken. Er schuf die Voraussetzungen, dass 1821 der Kunstguss aufgenommen werden konnte. 1825/27 wurde ein Fabrikgebäude gegenüber dem Verwaltungsgebäude, die heutige „Alte Fabrik“, gebaut, 1828 ein Wohnhaus für den Direktor Zincken. Nach wie vor war aber der Maschinenbau der Schwerpunkt, was auch im Bau des Carlswerkes (1827) und der Neuen Maschinenfabrik (1929) zum Ausdruck kam. Es gab nun einen Maschinenmeister und einen Hüttenmeister (von 1844 bis 1863 war das Carl Bischof, der Mitbegründer des Vereins Deutscher Ingenieure, der 1856 in Alexisbad vom Akademischen Verein HÜTTE gegründet wurde). 1834 starb Herzog Alexius Friedrich Christian, der stets persönlichen Einfluss auf die Hütte nahm Das war unter seinem Sohn Alexander Carl (1805 – 1863), der wegen seiner körperlichen und geistigen Schwächen mit einem Geheimen Konferenzrat regierte, kaum der Fall. 1855 besserte sich dies jedoch, als seine Frau, die Herzogin Friedericke, Mitregentin wurde. Sie nahm besonders auf den Eisenkunstguss Einfluss und förderte den damals schon bekannten Modelleur Johann Heinrich Kureck, der sich besonders durch seine Tierplastiken einen Namen machte. 1863 starb Herzog Alexander Carl. Anhalt-Bernburg fiel an den Herzog Leopold IV. Friedrich von Anhalt-Dessau, der das gesamte Anhalt zum Herzogtum Anhalt vereinte. Er übernahm auch die Bergwerke und Hütten im anhaltinischen Harz. Um mehr Einfluss nehmen zu können, ließ er sich das 1828 erbaute Direktorenwohnhaus einrichten, das fortan das „Palais“ war. 1871 starb Herzog Leopold IV. Friedrich, sein Nachfolger wurde Herzog Friedrich I. Unter seiner Regierung wurde 1872 die schon lange angestrebte Trennung von Haus- und Landesvermögen vollzogen. Die Berg- und Hüttenwerke und das Stahlbad Alexisbad gingen in den Besitz des Landes Anhalt über, das diese sogleich wieder verkaufte. Nach einigen Besitzerwechseln aus mehr spekulativen Gründen, bildete sich 1873 eine Aktiengesellschaft. Sie firmierte unter dem Namen „MÄGDESPRUNG – NEUDORF Eisen- & Silberhüttenbergbau Aktien Gesellschaft“ und umfasste alle anhaltinischen Gruben und Hütten und Alexisbad. 1875 erfolgte die letzte eigene Eisenverhüttung. Danach wurde in der Eisenhütte Mägdesprung nur noch Fremdeisen verarbeitet. 1879 wurde diese Gesellschaft an Berliner Geschäftsleute verkauft. Schon 1880 kaufte von diesen der Harzgeröder Holzhändler und spätere Kommerzienrat Traugott Wenzel die Eisenhütte für 406.000 Taler. Ab 1882 hieß diese dann „MAEGDESPRUNGER EISENHÜTTENWERK von T. Wenzel“. Maschinenbau und Kunstguss arbeiteten recht rentabel. Dies verbesserte sich dann noch 1887 mit dem Bau der Schmalspurbahn, der heutigen Selketalbahn, da sich die Transporte wesentlich verbilligten. 1898 überführte T. Wenzel den Besitz in eine Aktiengesellschaft, die Direktion übernahm sein Schwiegersohn Alfred Baentsch, die Firma hieß nun „MAEGDESPRUNGER EISENHÜTTENWERK AG vorm. T. Wenzel“.

Weitere Informationen unter Eisenhütte Mägdesprung II

Quelle: Eisenhüttenverein Mägdesprung e.V.

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